Tom sturm

das lazarus phänomen

Thomas Sturm 2015

 

Wenn man über Kunst spricht, redet man gerne in Momentaufnahmen eines gegenwärtigen Zustandes, der sich bestenfalls noch in einer Zukunftsvision der Bewegung, meist aber schon wieder im eingefrorenem Zustand befindet.

 

Grund wäre hier die Beschleunigung von Realität an sich. Gut zu erkennen an den Geschwindigkeiten der uns umgebenden Kunstproduktion, deren Ausläufer bis hin zu den daraus resultierenden Marktanforderungen, welche bedingungslos den Produzenten zur euphorisierten Selbstausbeutung mit Glückserwartung anpeitschen sollen.

 

Vielleicht erklärt der zunehmende Lebensabstand im Optimierungswunsch zu einer Welt, deren Rotationskreisel wohl bald aus der Verankerung springt,

die Simultandarstellungen gewisser sich eklektizistisch in sich wiederholender visueller Stile, die uns, wenn auch mehrfach unbefriedigt, so doch immer sorgfältig mit dem Kennzeichen- „Das sieht aus und ist somit wohl Kunst“ - zurücklässt!

 

Diese schmerzenden Beobachtungen enden leider meist, mit der einzig mir dafür sprachlich zur Verfügung stehendem Vokabel „Mittelmäßigkeitsenttäuschung“ was bedeutet, dass wir den Globalen Erfolg einer anerkannten und somit akzeptierten Form von Kunst der Angepasstheit zu verdanken haben, den wir auch leben.

 

Um vom Betrug, also Erfolg des Betrügers abzulenken, ja diesen erst erfolgreich zu machen,

muss die Basis dafür geschaffen werden eine Form von Bebauungsfläche auf der es zu vergessen gilt, das der Nährwert des dafür vorgesehenen Bodens gleich null ist. Es geht immer nur um Scheinbewirtschaftung um Scheinexistenz und somit um Scheinerfolge in einer Scheinwelt. Würden wir die Matrix durchwandern als nicht Blinde (was in diesem Zustand unserer biologischen Existenz unmöglich scheint) würden wir schmerzlich erkennen in welcher ideologischen Falle wir sitzen uns zwangsbewegen und vor allem, wie wir gelernt haben diesen Zustand seiner Lächerlichkeit von Sklavenexistenz bereitwillig nicht nur zu akzeptiert sondern diese eben widerstandlos angenommen haben.

Der Künstler selbst, ist nur mehr ein meist devoter Empfänger von Realaufträgen aus dem Kapitaläther; der über Vergangenes berichtet und eine Zukunftsvision als solche gar nicht mehr im Programm führt.

 

Aus diesen Gründen scheint es mir wichtig, jegliche Kunstform aus sich selbst und dem dazu existierenden Kunstkontext zu befreien,

aus einem zur Selbstverständlichkeit als seine Ursache verkommenen Navigationssystem zu holen um wieder frei zu navigieren.

 

Mein Versuch war es nun dieses Ineinander von psychischer und geistiger Realität im Bildgeschehen als eine wesentliche Bedingung dafür, das die Produktivität der Spiegelmetapher in der Malerei zur Entscheidung gebracht werden kann. Denn das Ineinander von Sehen und Gesehen-werden, ist auch ein Akt der Selbstbildung, der eben dadurch nicht rein subjektiv bleiben muss.

 

Schon Leon Battista Alberti (1404 -1472), weist in seinem Maltraktat den Maler an, das gemalte Bild mit Hilfe eines Spiegels auf Fehler hin zu überprüfen. Die Hilfe ist der objektive Blick, der Betrachter wird zum „richtigen“ Sehen ermahnt. Verstanden als Warnung vor dem oberflächlichen Schein der Dinge.

 

Nun ermahnen möchte ich nicht, wenn schon verstehen sich meine Bilder und Werkzyklen als eine Warnung vor uns Selbst, vor dem Narzisstischem Selbst, der dekadenten Lust am Abtauchen ohne Wiederkehr.

 

 

 

Discussions on art are shot through with soundbites or snapshots of the contemporary state of affairs – a state that at best still turns on some future vision of movement, which at worst – and more often than not – now finds itself having once again lapsed again into a state of inertia.

 

The reason for this may well be the acceleration of reality itself. This is clearly evidenced by the sheer rapidity with which art is produced – from its inception through to the dictates issued by market requirements – which inexorably flog the producers of art to the point of unconditional euphoric self-exploitation and self-deceptive vain anticipation of some future halcyon bliss.

 

In this drive towards optimization, perhaps this increasing secession from life may best be explained by way of a world, the centrifugally inclined rotation of which is apparently soon set to up anchor and gyrate off axis altogether: those simultaneous representations of certain eclectic repetitive visual styles which, though repeatedly dissatisfying us, fastidiously throw us back with their hallmark “this looks like and indeed must be art”!

 

Sadly, the locution that invariably comes to mind with respect to these pain-inducing observations is the “chagrin of substandard mediocre” – that piteous condition for which we may thank the universal success of an acknowledged and thus accepted form of assimilated art, which we also live.

 

As distraction from this fraud – from the success of this fraudster –, and, indeed, to ensure this success at all, the foundation must be created: an infrastructural surface the purpose of which is to induce amnesia – a forgetting that one has forgotten that the nutritional value of this specially prepared soil is equal to nil. The incentive is invariably a matter of counterfeit cultivation, counterfeit continuance and, hence, a matter of counterfeit creation of a counterfeit cosmology.  Were we to ramble through this matrix as not blind persons (which, in our present biological existence, seems to be beyond the bounds of possibility), we would painfully recognize in just what kind of ideological snare we are entangled, in which we are inevitably compelled to move and, above all, the ways in which we have learned not only to accept the absurdity of this clownesque enslavement, but to voluntarily adopt as our own. 

 

The artist himself is now a mere acolyte receptionist of „real-world” contracts issuing from the capital ether; now forever harking on about yesteryear, his programme is void of any future vision.

For this reason I find it important to liberate all forms of art from within – along with the existing art context from that spawns them – to wrench the helm from the pre-programmed navigation system do as to once again freely chart one’s course.

 

I have sought to portray this reciprocity of psychic and geistiger/intellectual reality in pictorial narrative, and such that the productivity of the mirror metaphor in painting is rendered decisive. It is just this reciprocity of seeing and being seen that comprises an act of self-formation which, accordingly, does not have to remain purely subjective.

 

In his treatise ‘On Painting’ Leon Battista Alberti (1404 -1472) had already indicated to examine the painted picture for mistakes with the aid of a mirror. The aid is the objective gaze; the observer is exhorted to see “correctly”, conceived as a caution against the one-dimensionality of things.

My purpose here is not to caution, albeit my compositions and work series are conceived as a warning against the self, against the narcissist self, the effete desire submerge oneself into the void from which there is no return.

 

 

 

2003-2005

Master of Arts, Institute for Art in Context, University of Berlin – Germany

1986-1991

University of Artistic and Industrial Design, Linz – master class in visual design with; Dietmar Eberle, Günter Feuerstein, Wolfgang Flatz, Günther Förg, Jochen Gerz, Laurids Ortner, and Alfred Zellinger

1982-1986

High School of Commercial Design, Linz/Austria

1967

born in Gmunden/Austria

 

 

 

 

Thomas Sturm:  The darkenend Paintings 2009-2013  (Apokalypik/Teil 2)

 

In einem zweiten Anlauf rekonstruiert und reanimiert Sturm eine Phase seiner vielschichtigen Interpretation von und mit der Malerei, die ganz am Anfang seiner damals jungen Karriere als österreichischer Maler stand. Die Dunklen, die Bitumen, die Apokalyptischen Bilder.

Wir sprechen hier über eine Zeitspanne von ca. 3-4 Jahren bis zu seinem Studienende 1991, eine angeheizte Zeit der politischen Umbrüche in Mitteleuropa und in Folge dem Rest der Welt(Fall der Mauer, Ostblocköffnung), der erste 24h Realzeitübertragung von Kriegsbildern (1Golfkrieg), ließ schon etwas von der Geschwindigkeit die Echtzeitaktualität von CNN und die damit verbundene Infragestellung einer Perzeptionsfähigkeit des werdenden Menschen ahnen. Die Infragestellung und Untersuchung der Vielfalt von visuellen Eindrücken deren Geschwindigkeit und deren Methodik der Einspeisung innerhalb der selbstgewählten Kunstdisziplinen, wird als immer wiederkehrendes Element im Sturmschen Bildkosmos zu entdecken sein. Nach dieser ersten dunklen Karriere, begann eine örtliche, wie künstlerische Ausbruchsphase deren Mobilität auch veränderbare Bildlösungen auch in der Machart zur Folge hatten. So ist es bei den Teerbildern, der Faktor Zeit und die Temperatur, die den Bildträger, dessen Untergrund zu einer chemischen Langzeitlagerung auffordern, setzt man zudem wie Sturm noch experimentierfreudig zusätzliche Pigmente und Lösungen ein, die das Bitumen seiner Art entsprechend ablehnt, sitzt man schnell mitten in einer Mal- Alchemie, deren Ergebnisse letztlich auch vom Zufall geprägt sein werden. Beispiel: Ausschwitzen der Farbe! 

Auslöser dieser ersten dunklen Phase, waren begleitet von seiner Beschäftigung mit Paul Virilios Zeitbetrachtung und „Bunker-Archäologie". Die Idee der letzten Dinge (Eskatologie) war im Bild geboren, jene welche sich methodisch und persönlich nacherlebt als psychologisch geführte Weltbetrachtung durch das Hauptwerk Sturm in vielschichtigen Ausdrucksformen - wie Zyklen und Bildsysteme bis zum heutigen Zeitpunkt nachvollziehen lassen.

Doch zuvor eine kleine Zusammenfassung um zu verstehen warum die Themen und das Material (Bitumen) nach knapp 20 Jahren nun nochmals auftauchen müssen. Dazu sind 2 Sachen von imminenter Bedeutung; Sturm sieht sich als ambivalentes Wesen, welcher also nicht: Maler = Mensch = Künstler ist, sondern zutiefst skeptisch in diesen Abläufen erkennbar bleibt und sich so nicht nur in der Wahl seiner Mittel und der dazugehörigen Themen absetzt, sondern zudem als virulent/dual versteht. Sein Interesse an Prototypen hat eine Wechselästhetik zur Folge. Ist also völlig entgegen einer erfolgreichen Marktstrategie, der durchlaufenden Erkennbarkeit. Diese Unsicherheitsformen, der sich von sich selbst befreienden Malerei, welche sich ständig auf den Prüfstand ihrer Selbst führt und dies verbunden mit einer Materialanstrengung, kommt als Zwitterwesen hervor, dessen Geburt als solche eher erschwerend denn erleichternd als kontinuierlich ernst geführte Arbeit wahrgenommen werden und verstanden sein will.

Den großen Auftakt der inneren wie äußeren Kulturüberprüfungsreise machte Köln und Stuttgart, wo gestützt durch zwei Stipendien die Fotografie als großer kunsthistorischer Protagonist neben der Malerei seinen ersten Auftritt im Sturmwerk hatte. Wurde in Köln noch an seiner technischen Ausarbeitung geforscht, so gab Stuttgart (Schloss Solitude) die Möglichkeit der professionellen Ausführung. Diese Zwitterwesen welche zusammengesetzt aus dem sog. „dokumentarischen“ unterlegter fotografischen Bildträger und der malerischen Öl-Hautmaske als reiner Emotionsträger(siehe Kuratorium 1994), spricht schon eine klassische Empfindungsskepsis an, die mittlerweile fast versöhnlich ruhig in zwei weitere malerischen Übergangsetappen der: (Abstrakt/Fotografisch wie Gegenständlich/Malerisch), in eine quasi schriftstellerisch wie philosophische Geschichtenerzählung führt ,die auch den Anlauf der zweiten Dunklen als Abschluss dieser Weltbetrachtungstour geben musste.

Die zweite Auflage der Dunklen will auch verstanden werden, als eine Rückkehr zu einem vergangenen Erfolgshabitus der so auch in der näheren Kunstgeschichte Thema wurde und hier nochmals als Selbstversuch bearbeitet wird. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man dem Irrtum erlegen, all die unterschiedlichen Herangehensweisen würden nur dem schnellen Erfolg geschuldet sein, da dieser sich aber bislang nicht einstellen wollte, kann hier getrost abgeblendet werden und im Sinne der Strahlentheorie der Antike ein Abscannen der neuen Bilder erfolgen. Es wurde schon darauf hingewiesen, dass dieses Bitumen, welches als quasi eingedunkelte braun-schwarze Grundierung und je nach Dichte des Auftrages, des Farbaufwalzens sich mehr oder weniger unangenehm verhält. Es ist schon der Geruch ansich der den zügigen und deshalb eingeübten Auftrag einfordert, anschließend das Auftrocknen mit oder ohne Einlage (hier: Noppenfolie) welche am Ende die teilweise reliefartige Oberfläche angeklebter Rückstände ergibt, die in ihrem meist zufälligen Formabriss bemalt zu neue Ausdehnung des Malkreises führt. Oder 3 jährige Übereinanderlagerungen der Leinwände, bei dem der abschließenden Abriss eine fast Holzschnittartige Patina auf der Leinwand von selbst entwirft. Ein Prozess der langen Wege, welcher genügend Raum bereithält, zwischendurch darüber nachzudenken, worüber man mit und durch Malerei noch sprechen will!

Die Titel verraten uns nur einen Teil dieses Versuches, welche uns als mündigen Rezipienten wohl ernst nehmen, uns aber auch instinktiv abtasten, dass es über das Gezeigte hinaus geht. Wohin bleibt unbestimmt, ist aber für künftige Aktionen schon angezeigt. Sturm platziert also sein malerisches Gedankengut weit über den der kommerziellen Galerie, den Sammler- oder Museumskauf hinaus in ein Reisesystem von dem später noch die Rede sein wird. Zuvor lässt er diese seine Arbeit aber ruhen, gleich einem guten Wein, der diese Ruhe diese Temperatur braucht um zu werden. Auch für den Künstler selbst gilt es abzuwarten, kennt er doch jene schmerzhaften Erlebnisse erhöhter Drehzahlen, die der Kunst und vor allem der Malerei nicht dienliche Voraussetzungen sind. Lassen Sie uns hier von den chiffrierten abstrakt wie comichaft auch clownesken wie skizzenhaften eingearbeiteten Zeichnungen in den malerischen Ruheraum sprechen. Wie zuvor in der Sturmschen Fotografie - Malerei Diskussion holt er sich nun die Zeichnung als Kontrahenten zur Erschwerung biografisch emotionaler Einsichten hervor. Diese wird durchaus liebevoll eingefügt ins malerische Dickicht von chemisch abstoßenden unabhängig erscheinenden Prozessen der Malerei und wird auch unsere Aufmerksamkeit gerade deshalb finden, da sie sich in der metaphysischen Zwischenschicht von Chemie und Aura des Bildes selbstreferentiell einbettet, wenn gleich auch unwillig wie es den Anschein hat.

Ruhe kommt auch diesmal nicht auf, den Titel wie: „ewig Zweiter“, „bin ein Parzival“, „Kulturerschöpfung“, „Tod des Vaters“, lassen dies auch nicht vermuten. Mit seinen Wort und Satzschöpfungen blickt der Künstler auch absichtlich auf großen Epen um sie in der Jetzt-Zeit zu neuer Bild-Aussage und uns zu einer neuen Lese-Form zu ermutigen. Sich selbst sieht er dabei durchwegs als den Schöpfer seiner Welt, welche in und aus sich das Bildsehen und Sein neu beleuchtet, auch um namentlich den Bilderstreit nochmalig zu führen. Dies verstanden als Fenster in die Geschichte nicht in die Welt!

Eingesperrt mit allem in der Zeit, ist die Kunst Ausdruck dieser Ausweglosigkeit und zeigt sich schön in seiner letzten Plastik „VOID“ von 2010-13. Dieser Raum „VOID genannt“, der in der Elisabethinischen Zeit dem Zuckerwerk zur Verfügung stand, gleicht nach Slavoj Žižek unserem heutigem Glücksei wonach nur die Hülle, die Schale aus Schokolade besteht, das Innen sich jedoch hohl ausmacht und so durchwegs zur Enttäuschung führt, wenn nicht wie beim Glücksei ein meist sinnloses Spielzeug zu finden ist das zumindest technisch über die nicht vorhandene Schokolade hinweghelfen soll. Und so spricht Sturm hier den fehlenden Inhalt (Kunstwerkes) als leere Hülle an, die nach Beseelung schreit, da es die Form der Form ist die hier in Gips abgegossen wurde um sein anschließend Aussen in Bronze und Innen in einer gefälschten Gold- und Silberpatina eingefärbt wurde. Hier spricht Thomas Sturm von „nur“ Prototypen, was heißt, das erlangte Kunstergebnis steht für mögliche weitere dieser Art, welche jedoch in ihrer jeweiligen Auslegung auch an Dimension wie Material anders denkbar wären und sind. In den Dunklen Bildern, die dem Klassischem Tafelbild am nächsten stehen, steht wohl auch die Methodik des Musealen und somit der Archivierung an, doch wäre es nicht Sturm wenn er nicht auch aus dieser von Ihm als solche für die Kunst erkannte Misere eine Ausweg entworfen hätte.

Hier entsteht gerade das Projekt des „Containering“, wo der Künstler selbst dafür sorgt, dass sein Werk einen anderen Weg der größtmöglichen Öffentlichkeit wie Selbstbestimmung a la incognito und der Geschichte erfährt. Ob der Container gekennzeichnet mit den Insignien des Künstlers nun tatsächlich mit dem Gesamtwerk gefüllt sein wird oder am Ende doch leer auf die ungewisse Reise ohne Rückkehr geschickt wir, bleibt letztlich unsere Phantasie überlassen.

Verschlossen wird er auf jeden Fall sein.

T.O.M.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CONTAINER: CONTAINERING

 

 

Diese Arbeit ist den Enttäuschten den immer wieder zur Heimkehr gezwungenen gewidmet. Jene die einst ausgezogen auf den Verteilernetzen unsere Bahnhöfe nach Ost nach West und von da weiter nach Nord und Süd um anschließend mit Ruhm heimkehrend die Zurückgebliebenen zu beschenken vom Reichtum der Erfahrung des Erschauten.

 

Ich selbst bin von Gmunden kommend über Attnang Puchheim zuerst nach Linz um anschließend wieder über Puchheim nach Deutschland fliehend der Einsilbigkeit meiner damaligen Kulturheimat zu entkommen!

Dies ist nun  25 Jahre her und meine Reisewege führen mich immer noch auf demselben Wege zurück wie hinaus. Der unermüdliche Kraftakt der frühen Jahre ist die Einsicht und Ernüchterung über jene Welt erfolgt, die ich einst verehrt und mit großem Respekt und Spannung bewundert habe.

Diese Arbeit ist also auch ein Abschluss für einen Weg den ich selbst gegangen bin, eine radikale Lösung für einen Isolationsbegriff den ich für mich erkennen musste, den die Kunst als unabhängiges an das Individuum gekettetes Erkenntnis- und Kommunikationsmodell wie ich es verstehe, und in meinem speziellen Falle nicht in der Lage war, es nach Außen verständlich Sichtbar zu machen und deshalb mein Entschluss dieses als Ganzes weg zu sperren aber nicht ohne vorher nochmals darin aufmerksam zu machen worin der Korrekturvorschlag des Gesamtpaketes lag!

 

 

Dies mag gerne damit zusammenhängen, dass sich ein eingeschlichener Arbeitsbegriff vom kontinuierlich Selbstgemachtem, dem etwas unlauterem Zusammenspiel von Fotografie und der partiell eingesetzter gestisch, abstrakten sowie einer gegenständlichen Malerei nicht verträgt. Auch ist ein interdisziplinärer Spurenwechsel von Authentischen zu Systemspekulativen Werkzyklen nicht gerade dafür ausgelegt allgemein bewundert zu werden!

 

Mein Gefühl hingegen ist nach wie vor und ohne Einschränkung jenes, dass der Künstler als Weltenantenne, als Seismograph nicht nur seine Sich- Betrachtung mit einbringen muss, sondern, sich vielmehr dieser auch entgegensetzen muss, um anschließend mit einer daraus notwendig gemachten Erfahrung sein Werk beseelen zu können.

 

Mir ist es persönlich und künstlerisch wichtig, mich in diesem Projekt, aus diesem meinem Lebensabschnitt, aus diesem Tiefschlaf der künstlichen Warteschleife, heraus zu katapultieren. Also nicht mehr zu warten auf ein Außenangebot, welches gnädigerweise mein Werk einspeist in sein selbst erfundenes, selbst autorisiertes Beurteilungs- und Bewertungssystems eines Hochdekorierten, mir aber gänzlich unbekanntes Personals. Auch ist es nicht mein Wunsch, mich an deren kollektiven Verhaltensregeln und Mustern zu erhalten um irgendwann bei Bedarf und Gehör in deren hierarchischen Focus zu gelangen. Die ganze Containerarbeit ist eine stille, wenn auch wuchtige Abkehr von diesem mir verhassten und gleichmacherischen Kunst- und Markt- und Marketingetablierungssystems, wie ich es verstehe. Natürlich gibt es, wie überall, verschiedene Ebenen in denen man sich einrichten und auch leben könnte! In meinem Falle ziehe ich jedoch die Verschleierung, die Versenkung vor. Das NICHT Erlauben von Einsicht und somit NICHT Beurteilung NICHT Spekulation durch Fremde.

 

Der Container stellt also zur Option, sein Werk auf ewig zu versenken, herauszunehmen aus der Warteschleife, quasi den natürlichen Prozess abzubrechen, ihn statt dessen tonnenschwer einzufrieren, ihn als Skulptur unzugänglich, uneinsichtig zu verschließen. Die Wahrheit über den Inhalt bleibt offen und wäre nur durch Gewalt zu erfahren. Sowohl Wert als auch Inhalt ist reine Spekulation- lässt man vom Materialwert des Containers weg. Was heißt, es ist dem Ausstellungscontainer nicht einsehbar, ob dieser nun gefüllt oder eben doch leer ist. Nur von Außen, der Schale her, ist der Container einer Gestaltung unterzogen worden. Auf sog. Porscheblau sehen wir an den längeren Wandseiten ein Logo, welches ich in meinen ersten Auslandsjahren als Schutzsymbol einer verschworenen Gemeinschaft erfunden und seit dem immer wieder bei Ausstellungen oder Katalogprojekten einsetze. An der Türfront soll sich dieses Logo wiederholen, diesmal in kleinerer Ausführung zusammen mit dem Nickname T.O.M. welcher für diese defeitistische Kunstorganisation des Untergrundes stand und die Zahlen des Tages, des Monates sowie des Jahres an dem die Skulptur zum 1sten mal sichtbar werden wird. Hier können gerne Parallelen zu den Gralsrittern gezogen werden, deren Aufgabe in der Bewachung der Bundeslade, welche auch nicht, zumindest für Ungeübte einsehbar ist, bleibt und war.

 

Wenn der Künstler, seine Kunst, in dieser Gesellschaft nur mehr reinen Unterhaltungs- wie Spekulationswert besitzt, also er sein Werk abgegeben hat, bleibt einem nur mehr der Ausweg in die Leichenstarre, in ein Selbstmumifizieren, ein Wegsperren vor den Augen jener, die beleidigend sind, deren bloße Anwesenheit ein Kunstwerk in sich selbst versinken lässt.

 

Thomas Sturm,

Berlin im Juni 2010